Dienstag, 14. Februar 2017

Dunkelgrau und kunterbunt, wie das Leben

Ist hier Platz für mehr? Ist hier Platz für meine Gedanken? Platz für meinen manchmal steinigen Weg? Will ich mehr teilen als nur meine kreative Seite?

Lange habe ich darauf eine Antwort gesucht und wer mir bei Instagram folgt weiß dass es eine Sache gibt die ich nicht ganz so geheim gehalten habe.

Kennt ihr Angst? Die Angst rauszugehen. Angst in Menschenmengen zu sein. Angst in einem Geschäft zu stehen und die Fassung zu verlieren, und dann nicht schnell genug dort rauszukommen. Angst Auto zu fahren. Ein dauerhaftes Unwohlsein in der Brust.
Heute vor 10 Jahren kannte ich sowas noch nicht, aber jetzt, jetzt könnte ich ein Buch darüber schreiben.

Es war ein wunderschöner sonniger Mittwoch im September 2007. Ich hatte mal wieder Nachmittagschule. So fuhr ich mittags zu Burgerking, war noch shoppen und saß dann den Mittag in der Schule. Ich weiß heute noch dass ich eine 1 in Fachkunde zurück bekam und sehr happy war. Es ging mir gut. Bis, ja bis ich im Auto saß auf dem Weg nach Hause. Ich stand an der Ampel und hatte gerade dass Telefon weggelegt weil die Ampel grün wurde. Ich fuhr in die Baustelle und sah auf einmal nur noch schwarz... Angst, Panik, was ist gerade los? Ich hatte mich die ganze Zeit unter Kontrolle, was mir erst vor kurzem bewusst wurde. Ich konnte anhalten, kurz runter fahren, was essen, trinken... Ich musste dennoch 50km weiter fahren bis ich zuhause war. Und Seit diesem Tag ist nichts wie es vorher war.

Es folgten Angst vor der Angst, Wochen in denen ich weder Auto fuhr, noch in Geschäfte oder Discotheken ging. Selbst ein Café oder Restaurantbesuch mit meinen Liebsten machte mir Panik.

Ich will hier weg! Ich muss hier raus! 

Dass all dies psychischer Natur ist will man eigentlich nicht wahrhaben. Mit 18? Wo doch vorher alles toll war und ich mich so gefreut hatte endlich den Führerschein zu haben, ne Ausbildung anzufangen.

So spielt das Leben manchmal einfach anders als man es plant.


Hier sitze ich jetzt, an einem sonnigen Dienstag im Februar 2017. Sinniere über mein Leben, blicke positiv in die Zukunft.

Ich weiß dass mein Weg noch steinig sein wird, aber ich weiß auch dass ich nie meinen Optimismus verlieren werde.

Einige haben schon mitbekommen dass ich zur Zeit arbeitslos bin, mich deswegen voll auf mein Gewerbe konzentrieren kann. Im Moment weiß ich noch nicht wo mich dieser Weg hinführen wird, aber ich möchte ihn sehr gerne weiter gehen.

Vor einigen Wochen gab es einen Tiefpunkt. Ich war so tief dass ich dachte ich komme da nie raus. Ich hatte schon viel ausprobiert. Etliche Krankenhausaufenthalte die mir zeigten körperlich ist alles in Ordnung, eine psychische Reha in einer Klinik, Verhaltenstherapie, meine eigene Konfrontationstechnik entwickelt, aber so richtig habe ich mich nie mit meiner Krankheit angefreundet. Immer war da diese Frage  "Warum ich?" Nachdem ich einige Tränen vergossen hatte schrieb ich kurzerhand einem Menschen wo ich dachte dass er mir vielleicht noch helfen könnte. Ich war ein Meister im googlen und so landete ich beim Thema Hypnose. Dieser nette Mensch schrieb mir nur 2 Stunden nach meiner Anfrage zurück und wir telefonierten miteinander. Es wurde ein Termin vereinbart. Ich musste leider 3, für mich gefühlt, sehr lange Wochen warten. An einem Freitag im Januar war es dann so weit. Endliche lernte ich meinen Therapeuten kennen. Die Chemie stimmte von Anfang an und ich wusste "den nimmst du auf deinem Weg mit"!
Nun sitze ich hier, habe meine erste Hypnoseerfahrung hinter mir und kann nur jedem raten: Probiert es aus! Es tut weder weh, noch musst du Angst haben. Hypnose ist ne tolle Art deinen Verstand mit dem Unterbewusstsein wieder in Gleichklang zu bringen.

Ich nehme seit 5 Jahren keine Medikamente mehr und es war mir auch immer wichtig dass ich das so schaffe. Denn ich bin nicht depressiv, und kein Medikament nimmt mir Angst und Panik. Dass mir nichts passiert kann ich nur für mich selbst wieder lernen.
Ich bin noch längst nicht frei. Noch lange nicht da wo ich hin möchte, aber mein Weg ist wieder grün. Wo bis dato noch Steine und Kies waren habe ich mir eine weiche Wiese gesät. Auf der geht es sich einfach viel besser ;)

Und warum ich dass so mit euch teile? Warum denn nicht... Wenn jemand sich ein Bein bricht erzählt er es ja auch! Wir sollten die Augen nicht so verschließen, offener anderen Menschen gegenüber sein. Ich weiß dass viele wohl schon oft über mich dachten "Was istn das für eine!" Ja, Angst und Panik machen einen anderen Menschen aus einem. Und so wie ich manchmal auftrete gefällt mir nicht, aber es ist das was diese Krankheit mit mir macht.
Vielleicht solltet ihr öfter mal hinter die Fassade eines Menschen blicken bevor ihr voreilige Schlüsse zieht oder sie in Schubladen steckt.
Vielleicht sollten wir generell mehr akzeptieren.
Mehr Mitgefühl zeigen.
Mehr Verständnis.
Mehr Füreinander.
Mehr Miteinander.

Ich würde mich freuen wenn meine Geschichte Anklang findet und manch einem Mut macht. Gerne nehme ich euch mit auf meinem Weg.

Bis dahin,

allerliebste Grüße, Laura <3

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